Mirembe Wohnprojekt
Angebot
- Frauenspezifische und interkulturelle Einzelfallhilfe
- Frauenspezifische und interkulturelle Gruppenarbeit
- Unterstützung bei der Kindererziehung
- Krisenintervention
Die Mitarbeiterinnen* sind für alle Angelegenheiten der Bewohnerinnen* von Montag bis Freitag von 9 bis 17 Uhr vor Ort.
Die besonderen Problemlagen der Zielgruppe wie frühe Entwurzelung, Traumatisierung durch sexuelle und häusliche Gewalt, Krieg, Verfolgung und Flucht verursachen oftmals ein breites Spektrum an psychischen Auffälligkeiten und Beeinträchtigungen. Chronische Traumafolgen wie Schmerzen, Angstzustände, Panikattacken, Beziehungsstörungen, Selbstwertkonflikte, Scham- und Schuldgefühle, Depressionen, Gewaltausbrüche und Orientierungslosigkeit belasten betroffene Frauen* meist erheblich.
Bedeutsam für die Arbeit bei Mirembe ist ein klinisches Wissen um diese Auffälligkeiten, insbesondere das Wissen um die Symptome, Auswirkungen und Therapiemöglichkeiten. Frauen* mit einer akuten oder chronischen Traumatisierung bedürfen langfristiger und regelmäßiger Betreuung. Sie brauchen Rückzugsmöglichkeiten und eine Tagesstruktur. Es kommen vorrangig stabilisierende und entlastende Interventionen zur Anwendung, die auf ein Wiedererlangen des subjektiven Gefühls der Kontrolle über die Symptome und eine Erhöhung der Selbstwirksamkeit im Alltag zielen.
Auch ein entwicklungspolitisches Grundwissen über bestimmte Herkunftsländer von geflüchteten Frauen* sowie Fachkenntnisse über Menschenrechtsverletzungen, frauenspezifische Riten, Praktiken und religiöse Weltanschauungen sind ein Grundbaustein für die Arbeit mit den geflüchteten Menschen.
1.Frauenspezifische und interkulturelle Einzelfallhilfe / Bezugsbetreuung
Mindestens einmal wöchentlich findet ein Einzelberatungsgespräch zwischen den Bewohnerinnen* und der jeweiligen Bezugsbetreuerin* statt. Je nach individuellem Hilfebedarf können beispielweise folgende Themen Inhalt der Einzelberatung und Begleitung sein:
- medizinische Anbindung: Vermittlungen und Kooperationen zu und mit medizinischen Fachdiensten;
- therapeutische Anbindung: Vermittlung in zusätzliche (trauma-)therapeutische Angebote und Maßnahmen sowie ggf. in psychologische und/oder psychiatrische Behandlungen;
- Stabilisierung: Die in der Therapie erlernten Methoden zur inneren Stabilisierung sollen im Alltag angewandt, geübt und verinnerlicht werden;
- Vermittlung in Kinderbetreuungs-, Bildungs-, Beschulungs- oder andere Qualifizierungsmaßnahmen sowie in Arbeit;
- Fachberatung zu frauenspezifischen Themen, wie weibliche Beschneidung, Menschenhandel, Zwangsverheiratung etc. und ggfs. Weitervermittlung in geeignete Fachberatung
- Mutter-Kind-Bindung: Das Kindeswohl steht hier im Vordergrund;
- Asylspezifische Beratung in Kooperation mit Rechtsanwält*innen
- Begleitungen: Gerade neu angekommene Frauen* oder Frauen* mit erheblicher psychischer und physischer Belastung benötigen eine besondere Unterstützung. Je nach individueller, fachlicher Einschätzung werden Frauen* auf Wunsch zu bestimmten Terminen begleitet;
- Unterstützung beim Ausfüllen von Formularen und Anträgen;
- Zielvereinbarungsgespräche: In einem sechsmonatigen Turnus wird in einem „Bilanzgespräch“ der Stand der Zielerreichung zusammen mit der Bewohnerin* festgestellt. Die Überprüfung der Ziele dient für die Bewohnerin* der Bewusstmachung der eigenen Stärken und Kompetenzen und der Wahrnehmung der positiven Veränderung. Zudem wird der individuelle Schutz- und Unterstützungsbedarf hierbei regelmäßig und partizipativ reflektiert.
2. Frauenspezifische und interkulturelle Gruppenarbeit
Es gibt regelmäßige Gruppenangebote für die Frauen* und ihre Kinder:
- Gespräche mit mehreren Bewohner*innen Stockwerksmeetings /Bewohner*innenversammlungen dienen bedarfsorientiert eingesetzt als Plattform für aktuellen Themen und Informationsaustausch. Außerdem werden hausinterne Probleme partizipativ angesprochen und diskutiert sowie gemeinsam nach Lösungen gesucht.
- regelmäßige Ausflüge, Veranstaltungsbesuche und Feste ermöglichen die Teilhabe an kulturellen Angeboten
- (therapeutische und/oder psychoedukative) Einzel- und Gruppenangebote von Haupt- und Ehrenamtlichen, Bewohnerinnen*treff Café Mirembe (14-tägig), Deutschlernen für Frauen* und Kinder, Kunstprojekte, Nähen, Computerkurse, Tanzen und/oder Turnen für Kinder (wöchentlich), ein Pferdetag jährlich in den Sommerferien
- Gruppenschulungen und Workshops mit Teamkolleginnen* oder externen Referentinnen* zu diversen fachspezifischen Themen wie Verhütung oder Kindergesundheit
3. Unterstützung bei der Kindererziehung
Soweit möglich, werden alle Kinder in Kindergärten und -krippen vermittelt. Die Bezugsbetreuerinnen* begleiten und unterstützen die Mütter bei Erziehungsfragen und vermitteln bei Bedarf an externe und/oder weiterführende Hilfen. Das Kindeswohl steht hierbei ebenso im Fokus, wie die Mutter-Kind-Bindung. In den Ferienzeiten werden zusätzliche Aktivitäten für Kinder und Mütter angeboten.
Für die Arbeit mit den Kindern stellt IMMA e.V. ein Spielzimmer zur Verfügung, das während der allgemeinen Präsenzzeiten genutzt werden kann. Durch Spenden fördern wir die Kinder mit kindgerechten und förderlichen Materialien, z. B. einer Spielecke im Zimmer oder der Anschaffung rassismuskritischer und diverser Kinderbücher und Spielsachen.
Die Einrichtung wird regelmäßig von einer Kinderkrankenschwester und bei Bedarf von einer Hebamme des RGU besucht. Die Mütter mit Neugeborenen erhalten bei Bedarf und Wunsch ebenfalls regelmäßig Besuch von einer Kinderkrankenschwester.
4. Krisenintervention
Aufgrund der schweren Belastungen, die die Bewohnerinnen* und ihre Kinder mitbringen, gibt es manchmal Krisen und Notfälle im Alltag bei Mirembe. Die geschulten Fachkräfte unterstützen die betroffenen Frauen* dabei, mithilfe selbsterlernter und eingeübter Stabilisierungsmaßnahmen aus der Krise zu kommen.